Lamborghini Espada 400 GT: Ferruccio erfüllt sich seinen Traum – und die McCartneys versenken ihn

Lamborghini-Espada

Als Ferruccio Lamborghini 1963 seine Firma Automobili Ferruccio Lamborghini S.p.A. gründete, hatte der Ingenieur nur ein Ziel: Den besten Gran Turismo der Welt zu entwickeln. Im Lamborghini Espada 400 GT, dem ersten Viersitzer der italienischen Sportwagen-Marke, hatte er dieses Ziel erreicht.

Das sahen auch die Käufer des Gran Turismo so: Der Lamborghini Espada war das über Jahre meistverkaufte Modell des Autobauers und konnte es in vielen Disziplinen sogar mit dem sportlicheren Miura aufnehmen. Zu den berühmtesten Besitzern des Lamborghini Espada gehörte Sir Paul McCartney. 1972 hatte der Beatle einen Espada Serie III mit Rechtslenkung, in roter Lackierung und mit rotem Lederinterieur erworben.

Paul und Linda McCartney versenkten einen Espada

Doch allzu lang dauerte die Liebesbeziehung nicht. Eines Tages rollte der GT in einen nahegelegenen Teich, nachdem Paul McCartneys damalige Frau Linda den Espada im Leerlauf geparkt und vergessen hatte, die Handbremse zu ziehen. Erst nach drei Tagen wurde das Fahrzeug aus dem Wasser geborgen und später an einen neuen Eigentümer verkauft, der es viele weitere Jahre lang nutzte.

Bei seinem Debüt war der Espada der schnellste Viersitzer der Welt. In erster Linie verantwortlich dafür: Dessen V12-Frontmotor mit 60 Grad Bankwinkel, der erstmals 1963 mit 3,5 Litern Hubraum produziert wurde und 325 PS bei 7200 U/min leistete. 1964 wurde der V12 auf vier Liter (3929 cm³) Hubraum vergrößert, der so auf 350 PS bei 7500 U/min kam. Der Lamborghini Espada erreichte Höchstgeschwindigkeiten zwischen 245 und 260 km/h.

Doch es war vor allem das überaus charismatische Design, das den Lamborghini Espada auszeichnete. Von Karosseriebauer Bertone gezeichnet, war das Design damals hochinnovativ und begeisterte mit kantigen Formen. Trotz seiner geringen Höhe von lediglich 119 Zentimetern eignete er sich durch seine Vielseitigkeit und Geräumigkeit für die alltägliche Benutzung.

Auch die luxuriöse Ausstattung wusste zu überzeugen. Edle Materialien und viel Leder sowie eine optional erhältliche Klimaanlage waren ganz nach dem Gusto der solventen Espada-Klientel. Besonders luxuriös war der Espada VIP, von dem lediglich zwölf Stück produziert wurden.

Der Lamborghini Espada VIP

Die ersten Modelle dieser Sonderserie wurden in einer speziellen orangen Lackierung mit Lederinterieur in Orange und Schwarz angeboten. Spätere Fahrzeuge wurden auch in anderen Farbkombinationen produziert. Der Innenraum der VIP-Version war mit einer Minibar und einem Kühlschrank in den hinteren Seitenteilen ausgestattet. Auf der Oberseite des Kardantunnels war zudem ein Fernsehgerät Algol 11 von Brionvega angebracht, das zur Unterhaltung der Fond-Passagiere diente. Der VIP ist heute eine der gefragtesten Versionen in Espada-Sammlerkreisen.

Der Lamborghini Espada trat in mehr als 50 Filmen auf. Am berühmtesten bei den Fans des Modells ist dabei der italienische Film „Sie nannten ihn Plattfuß“ von 1973 mit  Bud Spencer in der Hauptrolle. Darin ist der Espada in einer Verfolgungsjagd durch Neapel und Umgebung zu sehen, die vor der Kirche von Sant‘Antonio a Posillipo endet.

Bud Spencer jagte den Lamborghini Espada

Insgesamt wurden 1226 Lamborghini Espada in drei Serien produziert: 176 Exemplare des Lamborghini Espada 400 GT Serie I von 1968 bis 1969, 578 Exemplare des Espada 400 GTE Serie II von 1970 bis 1972 und 472 Exemplare des Espada 400 GTS Serie III von 1972 bis 1978.

Bilder: Lamborghini

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Moritz Nolte liebt seine Heimat NRW über alles: Moritz hat sein Büro im Bochumer Bermuda3Eck. In Dortmund läuft er regelmäßig um den Phoenixsee, in Hattingen fährt er Mountainbike. Zum Fußball geht er auf Schalke und zum Eishockey nach Herne. Auf der Rüttenscheider Straße in Essen gibt es für ihn hin und wieder ein Bier oder einen Gin Tonic. Zum Shoppen geht´s nach Düsseldorf und Freunde besucht er häufig in Köln. Und wenn er mal nicht in der Metropolregion Rhein-Ruhr unterwegs ist, ist Moritz leidenschaftlicher Sportwagen- und Trackday-Fahrer, Automotive-Autor und Herausgeber von THE DRIVER.